|
Sommerfest am 27. Juni in Neundorf
Kunstausstellungen in Malmedy
Abschied: Bruno Lédée in Tulle, Archi Kuhnke in Berlin
Arkprijs van het Vrije woord: Geert Buelens
Rossel-Preis an Serge Delaive
Regierungsbildung in Brüssel
Geschichtsarbeit Tulle
SOMMERFEST AM 27. JUNI IN NEUNDORF
Am strahlenden Sonntag des 27. Juni trafen sich die Mitarbeiter und Gäste des KRAUTGARTEN zum diesjährigen Sommerfest, diesmal im Vereinssaal im idyllischen Neundorf, dem Sitz des KRAUTGARTEN. Nach einem feinen Mittagsmahl (traiteur Patrick Kesseler, Géromont) fand die Geburtsfeier und Taufe der drei Neulinge statt: die neue Ausgabe Heft 56, sowie die neuen Titel von Wendel Schäfer und Bruno Kartheuser. Etwa 40 Teilnehmer verbrachten einen wohltuenden, anregenden Festtag in Neundorf.
Fotos:
Schwarz-weiß: Johannes Weber
Farbe: Detlef Peikert
Download
Kunstausstellungen
HOFFMANN UND SCHAUS IN DER ABTEI VON MALMEDY
648 gründete Remaklus, Prior der Abtei von Solignac, die Doppelabtei Stavelot-Malmedy, eine Einrichtung, die 1146 Jahre Bestand haben sollte, bis zur Zerstörung in den Nachwehen der französischen Revolution im Jahr 1798. Die beiden Niederlassungen sind heute Kleinode für ihre jeweilige Stadt und werden nach aufwändigen Renovierungen kulturell genutzt.
Im Dezember 2009 präsentierte Roby Hoffmann aus Arimont seine neueren Werke. Albert Moxhet kommentierte: „Roby Hoffmann lässt uns nicht am Rand der Leere zurück, er bietet uns einen Weg zwischen der Erde und dem Himmel.“ Von März bis Mai 2010 war Robert Schaus eingeladen, seine Werke im Kreuzgang der Abtei zu präsentieren. Die jetzige Ausstellung erlaubte zum erstenmal eine umfassende Vorstellung seines Schaffens. 80 Werke – meist Holzarbeiten: Bilder und Skulpturen – waren kundig und einfühlend in den Gängen des „Cloître“ angeordnet. So wurde auch zum ersten Mal die Fülle seines künstlerischen Schaffens greifbar. Außerdem war die klassische, monotone Raumgliederung des klösterlichen Kreuzgangs ein ideales Ambiente, um den seriellen und konzeptmäßigen Ansatz der Werke zu verdeutlichen. Im Sommer 2010, vom 29. Mai bis zum 8. August, werden die Werke des Malmedyer Meisters Raoul Ubac am selben Ort zu sehen sein.
Download
BRUNO LÉDÉE, EIN SAMMLER UND VERMITTLER
„Bruno Lédée, der Leiter des „Musée de la Résistance et de la Déportation“ in Tulle, erlag am 29. Mai 51jährig einem Krebsleiden. Seit 1994 verwaltete er das Museum. Das waren nicht nur Führungen für Besuchergruppen und die Betreuung von Forschern, sondern diese Funktion beinhaltete für ihn ebenfalls die Fortführung der Sammlung von Dokumenten und Nachlässen, und vor allem die Vertiefung der persönlichen Forschung bezüglich des Widerstandes und der dramatischen Juniereignisse von 1944. So war es natürlich, dass mein erster Gang beim Beginn meiner Nachforschung über Tulle im Sommer 1997 mich zum Museum führte. Es wurde eine gemeinsame Arbeit über 13 Jahre, bei der wir uns wechselweise ausbildeten und spezialisierten.“
Download
ARCHI KUHNKE
In der Ausgabe 40 (Mai 2002) veröffentlichte KRAUTGARTEN Joachim (Archi) Kuhnkes anklagendes expressionistisches Langgedicht „Einfahrt und unter Tage. Poem zu einer letzten Reise im 20. Jahrhundert“. Es behandelt die Transporte zu den Konzentrationslagern Auschwitz und Birkenau, die Implikation der deutschen Industrie in die Massenvernichtung in den Lagern, die Nachwirkungen in der Gegenwart. Auch zum Sommerfest des KRAUTGARTEN im Juni 2006 war Archi aus Berlin angereist. Er gehörte zu uns – nicht zuletzt aufgrund seiner Solidarität während des politischen Niermann-Prozesses, der neue Normen in Ostbelgien etablierte.
Bei der Feststellung einer erneuten Krebserkrankung 2010 begab Archi Kuhnke sich in Palliativpflege, um möglichst geschützt und betreut den Tod zu erwarten. Im März lud er seine Freunde zu einem Abschiedstreffen nach Berlin.
Eine Schilderung dieses Treffens – unter dem Titel „ARCHIE VERLÄSST DIE WELT. Und seine Freunde bleiben mit ihm hier“ veröffentlichte Erasmus Schöfer am 29. März in der „Jungen Welt“.
Archi Kuhnke starb am 8. Juni in Berlin. KRAUTGARTEN trauert um einen Freund und Ermutiger.
Download
ARKPRIJS VAN HET VRIJE WOORD: GEERT BUELENS
Am Donnerstag, dem 13. Mai, wurde in der Antwerpener Galerie “De Zwarte Panter” der “Arkprijs van het Vrije Woord” zum 60. Mal verliehen. Der diesjährige Preisträger ist der in Utrecht tätige flämische Dichter, Publizist und Literaturwissenschaftler Geert Buelens. Der “Arkprijs” ist eine nicht finanziell dotierte Ehrengabe. Der Name des Preisträgers wird in den Sockel der Arche eingraviert, die im Antwerpener Literaturhaus aufbewahrt wird.
Download
ROSSEL-PREIS AN SERGE DELAIVE
Im Dezember wurde Serge Delaive (1965), Schriftsteller und Mitherausgeber der Lütticher Literaturzeitschrift „Le Fram“, für seinen Roman Argentine mit dem belgischen Rossel-Preis 2009 geehrt. Der Roman ist das vierte Buch, das Delaive bei „La Différence“ veröffentlicht, einem Pariser Verlag mit einem Faible für belgische Literatur. Der Rossel-Preis ist mit 5.000 € dotiert (der Prix Goncourt: 10 €). Der Rossel wird von der Tageszeitung „Le Soir“ gestiftet und ist eine feste Einrichtung seit 1938.

DIE EUPENER TAGESPOLITIK UND DIE REGIERUNGSBILDUNG IN BRÜSSEL
Am Samstag, dem 26. Juni veröffentlichte die Tageszeitung GRENZ ECHO eine Reportage über die neue Ausgabe des KRAUTGARTEN. Dazu gehörte auch ein Interview mit Bruno Kartheuser über die politische Aktualität.
Im Rahmen der Vorstellung der letzten »Krautgarten«-Ausgabe haben Sie ein eigenes Dekret für die Kulturarbeit in der DG und die Öffnung der Schulen gegenüber der Literatur gefordert. Hat sich etwas getan?
Nein. Ich bin seit zwei Jahren in Pension und erhebe überhaupt keinen Anspruch mehr gegenüber der Regierung und der Kulturministerin. Sie hat einen Kulturbegriff, der mir total unverständlich ist. Sie soll getrost ihr „Konzept“ vertreten, ich dagegen betreibe meine Arbeit und bin froh, dass ich das ungehindert mit ausreichender öffentlicher Förderung durch die Regierung machen darf. Sie hat kein Verständnis dafür, langfristig eine Beständigkeit der Literatur zu organisieren. Das ist betrüblich, weil die Ansätze sehr gut waren. Aber da die Kultur in der Eupener Politik sowieso das fünfte Rad am Wagen ist, wäre es auch fast illusorisch, etwas zu erwarten.
Für die Öffnung der Schulen gilt dies wohl auch?
Ich habe bisher nichts vernommen und wollte zum Ende des Schuljahres eine Initiative in den Mittelschulen starten, bin aber aus zeitlichen Gründen nicht dazu gekommen. Ich werde dies über den Sommer planen und dann selbst an die Schulen herantreten. Ich hoffe, dass da nicht soviel Beton vorliegt wie in den Köpfen derer, die das bis jetzt sabotiert haben.
Was ärgert Sie an der Politik, die in Eupen gemacht wird?br>
Mir widerstrebt alles, was in der Eupener Autonomiepolitik an monolithischer Struktur zementiert wird. Seit 20 Jahren gibt es nur einen politischen Inhalt: die Autonomie. Das ist so etwas wie eine Zwangs- oder Dauer-Erektion. Weil ich auch älter geworden bin, bin ich inzwischen äußerst beruhigt, dass die Träume der großen Vorkämpfer sich niemals realisieren werden. Man lädt zwar einen amtierenden Ministerpräsidenten aus Eupen nach Brüssel ein, doch dies das macht ihm nur einen schönen Tagesausflug in der schönen Jahreszeit. Das Ergebnis ist nur eine kleine »touche de folklore«.
Download
GESCHICHTSARBEIT TULLE
Nach dem Abschluss seiner Tulle-Recherche wird Bruno Kartheuser einzelne Episoden ausleuchten und tiefer erforschen. Die Reihe „complément d’enquête“ wird in loser Folge Monographien zu einzelnen Akteuren und Abläufen veröffentlichen und so das Panorama der Juni-Ereignisse von 1944 vervollständigen. Als erstes Heft dieser Reihe erschien im Juni 2009 der zweisprachige Index für die 4 Bücher. Eine weitere Schrift unter dem Titel „Regard vrai sur les événements de Tulle“ erschien im August 2009 bei „Peuple et Culture“ in Tulle. Es ist die Niederschrift eines am 10. November 2008 in Tulle gehaltenen Vortrags.
In Bearbeitung ist z.Zt. die Biographie von Robert Caulet (Deckname „Laurent), dem Präsidenten des CDL (Comité départemental de la Libération) der Corrèze. Unter günstigen Bedingungen soll die Arbeit im Sommer 2011 vorliegen.
Download
|